Der erste Tag an der Ausbildungsschule

Wie fühlt sich der erste Tag an der Ausbildungsschule an? Eines kann ich versprechen: aufregend!

Ok, ehrlichgesagt muss ich zugeben, dass ich an meinem ersten Tag an der neuen Schule gar nicht wirklich zum ersten Mal dort war. Zufälligerweise hat nämlich die Vereidigungszeremonie samt Ernennung zum Studienreferendar und Übergabe der Verbeamtungsurkunde in der Aula meiner Schule stattgefunden, weil das Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung (ZfsL) in derselben Stadt wie die Schule liegt und die Aula der Schule größer war als der größte Raum im Gebäude des ZfsL.

Trotzdem war es etwas ganz Besonderes, an diesem Dienstag, den 2. November vor dem Gebäude zu stehen: Hier würde ich meinen ersten Unterricht halten, hier würde ich meine ersten eigenen Schülerinnen und Schüler in eigenen Klassen und Kursen begrüßen, unterrichten, benoten, ermahnen, bespaßen und hoffentlich mehr als nur einmal begeistern und vom Sinn und Zweck meiner Unterrichtsfächer überzeugen. Hier würde ich hunderte Namen lernen und mir merken, dutzende Kolleginnen und Kollegen, Mitreferendarinnen und Mitreferendare kennenlernen und das Labyrinth von Räumen und Fluren binnen kürzester verinnerlichen müssen. Hier würde ich ungefähr zehn beurteilte Unterrichtsreihen (sog. Ausbildungsunterricht) in bestehenden Klassen und Kursen unter den wachsamen Augen von Ausbildungslehrkräften halten, zehn benotete Unterrichtsbesuche unter den wahrscheinlich noch wachsameren Augen meiner Fachleiter absolvieren und in ziemlich genau 18 Monaten mein Staatsexamen ablegen.

Über all diese lang ersehnten Träume und beinahe ebenso lang befürchteten Prüfungsmodalitäten konnte ich mir an diesem Morgen sehr viele Gedanken machen, denn ich war eine gute Stunde zu früh da. Nicht, weil ich so ein nervöses Hemd wäre, sondern weil meine neuen Mitreferendarinnen und Mitreferendare (im Folgenden kurz: Mitrefis) ebenso nervös wie unpünktlich waren. An diesem ersten Tag fuhr ich aus verschiedenen Gründen mit einem Auto zur neuen Schule, meine Mitrefis mit dem Zug. Und weil der häufig verspätet ankam, vereinbarten wir, uns ausnahmsweise schon ca. 45 Minuten vor dem Begrüßungstermin vor der Schule zu treffen. Ich war noch einmal fünf Minuten früher da und wartete. Und wartete. Und machte mir die oben festgehaltenen Gedanken. Und wartete. Zehn Minuten vor dem Termin schlenderten meine Mitrefis dann gemütlich um die Ecke: „Wir sind dann doch vom Bahnhof hierher gelaufen statt mit dem Rad zu fahren“.

Böse war ich aber niemanden, schließlich war ich ganz froh, mir zunächst ganz in Ruhe einen eigenen Eindruck von der Schule machen zu können. Außerdem waren die anderen mir alle ganz schnell unheimlich sympathisch. Mit diesen Gestalten würde ich mir die nächsten 18 Monate um die Ohren schlagen – als Team, niemals als Konkurrenten. Noch waren wir allerdings nicht vollzählig, weil 9 Uhr aber immer näher rückte, gingen wir zum Sekretariat und wurden schon von unseren Ausbildungsbeauftragten (sog. Abbas) empfangen. Diese beiden Lehrerinnen sind an der Schule dafür zuständig, Refis, Praktikantinnen und Praktikanten zu betreuen. Also wurden wir empfangen und in den Besprechungsraum geführt, in dem wir später die Nachbesprechungen unserer Unterrichtsbesuche machen würden.

Nachdem schließlich alle acht Refis versammelt waren, erklärten uns die Abbas, der Schulleiter und sein Stellvertreter die wichtigsten organisatorischen Details, die wir in den ersten Tagen zu beachten hatten. Auf dem Stundenplan stand zunächst ganz viel Hospitation: Nach unserem Seminartag am Mittwoch, den wir (wie in jeder kommenden Woche) vollständig am ZfsL verbringen würden, sollten wir am Donnerstag eine fünfte oder sechste Klasse und am Freitag eine Lehrkraft jeweils durch ihren Schultag begleiten.

Anschließend (das heißt: zweieinhalb Stunden später) wurden wir kurz durch die Schule geführt und es wurde ein Gruppenfoto für das Lehrerzimmer geschossen. Wir bekamen vom Hausmeister unsere Schlüssel und im Lehrerzimmer ein Postfach und Fach zum Aufbewahren von Sachen. Wir lernten die Sekretärinnen kennen und füllten eine Menge Formulare aus. Dann war der erste Tag auch schon geschafft.

Noch 290 Tage bis zum Staatsexamen.

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